Kleingärtnerverein Nürnberg e.V.       

 

"Weser-Kurier" vom 14. August 2017

 

 Von links: Werner Enter, Liane Bake, Dorothea Meyer, Torsten Laabs

Foto: ROLAND SCHEITZ

ANKE VELTEN

Der Kleingartenverein Nürnberg lädt für Sonnabend, 19. August, zu seinem Lampionfest ein. Das klingt irgendwie von gestern, und das ist es auch. So lange sich hier irgendwer erinnern kann, werden im Findorffer Parzellengebiet die sommerlichen Familienfeste gefeiert. Diese typisch bremische Tradition hat sich in dem mit 450 Gärten zweitgrößten Kleingartenverein der Stadt besonders lebendig erhalten. Und der Findorffer Vereinsvorstand beobachtet mit Freude, dass neue Generationen die Vorzüge des Parzellistenlebens wieder mehr zu schätzen wissen. Die fast einhundert Jahre alten Gärten in den Hufen sind zurzeit so begehrt wie schon lange nicht mehr.

Zum Lampionfest eingeladen sind nicht nur die Vereinsmitglieder, ihre Familien und Freunde, sondern auch die Nachbarn umzu und alle anderen, die mitfeiern möchten. „Jeder ist willkommen!“, heißt es auf dem Plakat, das die Veranstaltung zurzeit an vielen Orten im Stadtteil ankündigt. Der Ablauf ist wie folgt: Am Sonnabendnachmittag um 15.30 Uhr beginnt das Kinderfest auf dem Platz neben der Vereinsgaststätte an der Salzburger Straße 2. Die kleinen Gäste können sich auf ein Programm mit Spielen, Spaß und Unterhaltung freuen. Im Kinderticket, das zum Preis von sechs Euro in der Vereinsgaststätte erhältlich ist, sind nicht nur die Teilnahme an den Aktivitäten, sondern auch eine Kutschfahrt und Leckereien enthalten. Die Erwachsenen erwartet eine hoffentlich gut gelaunte Festgesellschaft und Kulinarisches. Ab 19 Uhr wird ein Spielmannszug die Laternenläufer durch die Wege des Vereins führen. Im Anschluss treffen sich alle zum gemütlichen Beisammensein im Landheim. So kennt es Liane Bake schon aus ihrer Kindheit. Mittlerweile ist sie selbst aktiv dabei, das Fest zu gestalten. Beim Lampionfest im vergangenen Jahr hatte der Verein 500 Kindertickets vergeben, erzählt die Vorsitzende des Festausschusses.

Vor 20 Jahren noch hatte der Verein zu spüren bekommen, dass sich Alltag und Freizeitverhalten moderner Stadtbewohner zunehmend änderten und Zeit und Lust abhanden gingen, sich um einen Garten zu kümmern. Nach einem regelrechten Boom in den 1980er-Jahren schien das Vereinsleben mit seinen Regeln und Traditionen „out“, berichtet Liane Bake. Doch im Laufe der vergangenen sechs, sieben Jahre ziehe es vor allem junge Familien wieder vermehrt in die urbanen Erholungsgebiete. Wie wichtig es ist, nachwachsende Generationen mit der Natur vertraut zu machen, weiß sie von ihrer Tätigkeit in den Findorffer Grundschulen. Denn auch im gutbürgerlichen Stadtteil gebe es genug Kinder, die nicht wissen, woher die Kartoffeln kommen, und was ein Radieschen ist, erzählt die Findorfferin.

„Ich weiß noch, wie schön es für meine Kinder war, etwas wachsen zu sehen“, erinnert sich Werner Enter. Die aktuelle Diskussion um die Bebauung von Kleingartengebieten verfolgen auch die Stadtteilbewohner mit Wachsamkeit. Nach Zeiten, in denen auch das Findorffer Parzellengebiet Flächen für gewerbliche oder verkehrliche Infrastruktur abgeben musste, hoffen die Kleingärtner, dass der verbliebene Teil nicht mehr angetastet wird. Akut bedroht fühle man sich hier aber nicht, sagen die Vorstandsmitglieder – schon allein, weil die Eigentumsverhältnisse in den Hufen außerordentlich kompliziert seien, erklärt Dorothea Meyer, zweite Vorsitzende des Vereins.

Um den Verein für nachwachsende Generationen attraktiv zu halten, sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen, betont der erste Vorsitzende Torsten Laabs. Vor einigen Jahren wurde das Vereinsheim komplett saniert und barrierefrei umgebaut. Dort serviert Gastwirt Wolfgang Friebe gutbürgerliche Küche und richtet Feiern aus. Seit Kurzem ist die neue Internetseite (www.kgv-nürnberg.de) an den Start gegangen. Unter den neuen Pächtern seien auch viele Neubürger, erzählen die Vorstandsmitglieder. „Wir gehen aktiv auf sie zu und holen sie ins Boot“, sagt Liane Bake – Integration über den Gartenzaun.

In zwei Jahren steht für die Findorffer Parzellisten ein großes Jubiläum an. Am 7. April 1919 wurde der „Gartenbauverein Nürnberg“ ins Bremer Vereinsregister eingetragen. Parzellen hatten eine wichtige Funktion als Erholungsgebiete und waren in schlechten Zeiten lebensnotwendige Versorgungsquellen für die Stadtbewohner. Aus der Not heraus wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wohnraum für viele Bremerinnen und Bremer, die ihre Häuser verloren hatten. Auch die Meyers leben seither am Malvenweg. „Mein Mann hat noch nie woanders gewohnt“, erzählt Dorothea Meyer.

Verlassene Kaisenhäuser, deren Bewohner verstorben oder ausgezogen sind, sind ein Problem, das die Findorffer heute mit vielen anderen Kleingartengebieten teilen. Solche „Dornröschen“, wie man hier sagt, gibt es vereinzelt auch hier: Gärten, die vor sich hin verwildern, mit verfallenen Häusern, die schon lange auf den Abbruch und auf neue Nutzer warten.

Gepflegte Parzellen werden allerdings im Handumdrehen wieder verpachtet, weiß Werner Enter, der seit 1979 seinen Garten am Hortensienweg besitzt. „Wir haben kaum Leerstand“, erzählt der pensionierte Lehrer, der als einer von rund zwanzig Wegewarten darauf achtet, dass die Hecken gestutzt werden, damit die Rettungswege sicher sind, und dass die Bäume nicht in die Leitungen wachsen. „Wir sind aber nicht kleinfiedelig“, sagt Liane Bake. „Bei uns soll jeder glücklich sein.“